Archiv für den Monat April 2014

Krimitipp: Wolfgang Burger – Ausgelöscht

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Ich möchte euch heute einen Regiokrimi aus dem Badischen ans Herz legen. Es handelt sich um „Ausgelöscht“ des süddeutschen Autors Wolfgang Burger, der vor einigen Jahren im Emons: Verlag erschienen ist. „Ausgelöscht“ ist der fünfte Band in Burgers Kommissar Petzold-Reihe, die ich bisher nicht kannte. Ich bin durch Zufall auf „Ausgelöscht“ gestoßen. Da ich aus vielen Gründen sehr begeistert von diesem Kriminalroman bin, werde ich auf jeden Fall auch noch die Vorgängerbände (Mordsverkehr, Marias Sohn, Flächenbrand und Abgetaucht) lesen. Bekannter sind vermutlich Wolfgang Burgers Heidelberg –  Krimis um Kriminalrat Alexander Gerlach, die bei Piper verlegt werden.

Um was geht es in „Ausgelöscht“?

Mitten im Trubel des Karlsruher Marktplatzes wird eine junge Frau erstochen. Der Täter wird bald identifiziert – aber er kannte sein Opfer nicht, hatte nie im Leben Kontakt mit der Frau. Was steckt dahinter? Warum ermordet man einen Menschen, von dem man offensichtlich nicht das Geringste weiß? Woher hatte der Mörder die Informationen, wann und wo er sein Opfer antreffen würde? Und warum trug er einen schwarzen Anzug zu diesem Anlass?
Als die Wahrheit endlich ans Licht kommt, bricht bei der Karlsruher Kripo Hektik aus, die auch Oberkommissar Petzolds Privatleben gehörig durcheinanderbringt. (Quelle: Emons: Verlag)

Meine Meinung:

Zunächst hat mich als gebürtige Badnerin (wenn auch aus Süd- und nicht aus Nordbaden ;-)) der Untertitel „Der Badische Krimi“ und das Setting angesprochen. Handlungsorte sind hauptsächlich Karlsruhe und Baden-Baden, aber auch Weinheim und Schlettstadt im Elsass spielen eine Rolle.

Ausgesprochen gut haben mir das Tempo und die zahlreichen überraschenden Wendungen in den Polizeiermittlungen gefallen. Bis zur allerletzten Seite fiebert der Leser mit dem sympathischen Thomas Petzold mit, der sich als zukünftiger Hauptkommissar beweisen muss. Ihm zur Seite stehen  seine Freundin Birgit Malmberg, die privat so einiges umtreibt und Kollege Schilling, der in den Innendienst verbannt ist, da er mit ganzem Körpereinsatz sein nagelneues Bike zu verteidigen suchte.

Die Befragungen und Recherchen der Karlsruher Mordkommission wirken sehr authentisch. Zum Ende hin wird die Ermittlungsarbeit Petzolds immer dramatischer. Es geht um Stunden, und auch der Leser leidet mit dem verzweifelten und zornigen Protagonisten mit.

Wolfgang Burger zeichnet in seinem Roman interessante Charaktere und schildert unterschiedliche Millieus lebensecht. Auch Sozialkritisches darf in diesem Regiokrimi nicht fehlen. Insbesondere die Nachbarn (sowohl des Opfers als auch des Täters) finde ich unglaublich gut gelungen. Humorige Szenen, wie der  Nachmittagsausflug von Petzold und Birgit ins elsässiche Schlettstadt, werden mir noch eine Weile im Gedächtnis bleiben.

Fazit: „Ausgelöscht“ bietet Spannung und Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Seite. Ein glaubwürdiges, authentisches und kurzweiliges Krimivergnügen!

 

 

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Wolfgang Burger

Ausgeslöscht. Der Badische Krimi

Emons Verlag 2006

Taschenbuch, 240 Seiten

Euro 9,90 (D)

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Rezension: Rick Yancey – Die 5. Welle

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Falls uns jemals Außerirdische besuchen,
wird das meiner Meinung nach ähnliche Folgen haben
wie die Landung von Christopher Columbus in Amerika,
was für die Ureinwohner nicht besonders gut ausging.

Dieses Zitat des britischen Astrophysikers Stephen Hawking ist Rick Yanceys neuem All-Age-Roman “Die 5. Welle” vorangestellt, der diesen Monat im Hardcover bei Goldmann erschienen ist. Es bereitet den Leser gleich zu Beginn auf das von Rick Yancey entworfene Endzeitszenario vor: In mehreren Wellen strebt eine außerirdische Lebensform die Ausrottung der Menschheit an.
Die erste Welle: Licht aus
Die zweite Welle: Hohe Brandung
Die dritte Welle: Seuche
Die vierte Welle: Silencer
Nur wenige Menschen haben die Zerstörung der Küstenregionen und einen letalen Virus überlebt. Unter ihnen die 16-jährige Cassie Sullivan, die sich nach dem Tod ihrer Eltern allein auf die Suche nach ihrem kleinen Bruder macht, der vom Militär in ein vermeintlich sicheres Flüchtlingscamp gebracht worden ist. Cassie ist auf sich gestellt, einzig Sammys Teddybär und ein M16-Gewehr im Gepäck. Sie ist allein. Sie weiß nicht, wie viele Überlebende es gibt, und ob sie diesen trauen kann.
Allein versucht sie sich durchzuschlagen, beobachtet von Drohnen, das Muterschiff der “Anderen” immer über ihr schwebend.
Dann trifft sie auf den geheimnisvollen Evan Walker, der durch die Invasion der “Anderen” ebenfalls seine Familie verloren hat. Er lebt allein auf der elterlichen Farm, wo er Cassie, deren Leben er gerettet hat, gesund pflegt. Doch Cassie mag ihm nicht völlig zu vertrauen. Denn niemand scheint das zu sein, was er vorgibt.
Das weiß auch “Zombie” nur zu gut, der in einer Kinderarmee im aussichtslosen Kampf gegen die Aliens trainiert wird. Doch was hat es mit der “Eintütung” und “Etikettierung” all der Kinder und Jugendlichen auf sich, die in Schulbussen im Lager eintreffen?
Im Laufe der Handlung kommen Cassie und “Zombie” hinter das furchtbare Geheimnis der “Fünften Welle”.
Eine Ahnung, wie die Aliens vorgehen, um die Erde für ihre eigenen Interessen zu “säubern”, bekommt der Leser schon im Prolog, welchen ich unglaublich gut fand, und der mich sofort in die Geschichte hineingezogen hat. Das Buch lässt sich danach kaum noch aus der Hand legen. Rick Yancey hat einen Pageturner geschrieben, der prädestiniert ist für die Kinoleinwand . Tobey Maguire hat sich bereits die Filmrechte gesichert.
Die unglaublich gut gemachten hollywoodreifen Booktrailer, die sicherlich auch mit dazu beigetragen haben, dass “Die 5. Welle” zu den mit viel Spannung erwarteten Neuerscheinungen des Bücherfrühjahrs gehört, haben meiner Meinung nach nicht zuviel versprochen. Rick Yanceys Auftakt seiner Trilogie überzeugte mich inhaltlich und sprachlich. Über die Invasion der Außerirdischen und die Folgen für die Menschen erfährt der Leser in Rückblenden. Die folgenden Ereignisse werden aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Das bringt Abwechslung und Seite um Seite erschließen sich die Zusammenhänge. “Die 5. Welle” ist ein düsteres Buch. Es ist spannungsgeladen mit viel Action und Nervenkitzel, aber auch ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Was macht unsere Menschlichkeit aus? Wie unterschiedlich gehen Menschen mit scheinbar auswegslosen Situationen um?
Als sehr beklemmend empfand ich die Vorgänge im Camp Haven, die deutlich machen, wie Yancey in seinem mitreißenden apokalyptoschen Sci-Fi-Roman auch ohne monsterähnliche Kreaturen auskommt, um dem Leser eine Gänsehaut zu verschaffen. Schrecken produziert er vielmehr durch seine atmosphärischen Schilderungen des Überlebenskampfes seiner jungen Protagonisten. Letztere wirken sehr glaubhaft. Besonders Cassie ist eine sympathische Protagonistin, die Identifikationsmöglichkeiten bietet.
Rick Yancey hat in seinem Buch Bilder geschaffen, die noch länger haften bleiben werden. Man darf gespannt sein, ob sich die Schlagzeile in der USA Today bewahrheiten wird, die den Aliens dank der “5. Welle” einen vergleichbaren Hype verspricht, wie den Vampiren durch “Twilight” (USA TODAY 6.5.13: Twilight time for aliens in Rick Yancey`s Fifth Wave”). Auf den zweiten Band wird man auf jeden Fall nicht sehr lange warten müssen. Die Fortsetzung erscheint im September unter dem Titel “The Infinite Sea” auf Englisch.

 

Rick Yancey

Die 5. Welle (The Fifth Wave)

gebunden, 480 Seiten

Goldmann 2014

Euro 16,99 (D)

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Buchtipp: Emmy Laybourne – Monument 14

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BildDER WELTUNTERGANG IM JUGENDBUCH HAT HOCHKONJUNKTUR.

Seit Erscheinen der Panem-Trilogie stapeln sich postapokalyptische Romane vor allem auf amerikanischen Büchertischen. Viele sind sehr schnell auch ins Deutsche übersetzt worden. Denn Apokalypse heißt der neue Trend, der dem Vampir-, Elfen und Gestaltwandler-Boom Konkurenz zu machen scheint. Viele junge Leser (aber auch ältere! ,-) reizen aktuell Romane und insbesondere Reihen, in welchen junge Überlebende nach einem Weltuntergangsszenario in einer postapokalyptischen Welt ums Überleben kämpfen müssen. Besonders spannend ist dabei die Frage, wie die Überlebenden trotz zahlreicher Gefahren und Bedrohungen wieder  in Gruppen und Gesellschaften zusammenfinden, und was in der „Neuen Welt“ an Strukturen, Traditionen und Werten erhalten und was abgelöst werden wird.

Vergangenes Jahr entdeckte ich in diesem Zusammenhang eine fantastische neue Trilogie für mich, die zum damaligen Zeitpunkt nur in englischer Sprache erhältlich war: Monument 14 von Emmy Laybourne.
Momentan sind die ersten beiden Teile auf Englisch lieferbar:
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Monument 14, Feiwel & Friends 2012 (inzwischen auch als Paperback erhältlich)
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Monument 14 – Sky on Fire, Feiwel & Freinds 2013 (ebenfalls im Hardcover und Paperback erhältlich)
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Der abschließende Band wird im Mai 2014 auf Englisch unter dem Titel  „Savage Drift“ erscheinen.
Der Heyne Verlag bringt die Jugendbücher auf dem deutschen Markt heraus. Zu Beginn des Jahres ist Band 1 erschienen, Band 2 und eine exklusive Geschichte zur Reihe als kostenloses E-Book werden im Mai in der Reihe Heyne fliegt folgen.
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Um was geht es?
In Band 1 lernt man die Brüder Alex und Dean kennen, die sich mit 12 anderen Schülern nach einem unnatürlich gewaltigen Hagelsturm in einen Supermarkt retten. Sie können zunächst nicht raus, da in einem nahegelegenen Armeelabor giftige Substanzen freigesetzt worden sind, die auf den Menschen eine furchtbare Wirkung haben können. Diese hängt von der jeweiligen Blutgruppe ab. Paranoia, Unfruchtbarkeit, innere Blutungen und aggressive Ausbrüche und Raserei befallen die Bewohner Monuments in Colorado.
In diesem Auftaktband beschreibt Laybourne, wie sich die Kinder und Jugendlichen mit ihrer Situation zu arrangieren versuchen, sie verschiedenen Gefahren trotzen und sich zunächst in dem Superstore häuslich einrichten.
Im Fortsetzungsroman macht sich ein Teil der Gruppe nun auf den Weg, am knapp 100 Kilometer entfernten Denver Flughafen Hilfe zu suchen. Von dort- so heißt es – werden die Menschen nach Alaska ausgeflogen. Dean, die schwangere Astrid, die kleinen Zwillinge Caroline und Henry sowie Chloe bleiben im Supermarkt zurück…
Die Grundidee Laybournes finde ich sehr originell. Die Bücher sind flüssig und flott geschrieben und von der ersten Seite an äußerst spannend erzählt. Detailiertere Charakterschilderungen sollte man aber nicht erwarten.
Der Plot ist so gut, dass auch bereits eine Verfilmung in Planung ist. Auf Band 3 darf man gespannt sein! Ich werde eine ausführliche Rezension dazu verfassen.
Um die Neugier noch etwas mehr zu wecken… hier die Buchtrailer:

 

Siehe auch: Rick Yanceys: „DIe 5. Welle“

Rezension: Stephen King – Doctor Sleep

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„Doctor Sleep“ ist der aktuelle Roman Stephen Kings, der im Herbst 2013 bei Heyne im Hardcover erschienen ist. Ebenfalls erhältlich ist eine sehr gut von David Nathan gesprochene ungekürzte Lesung auf CD.

„Doctor Sleep“ ist ein Fortsetzungsroman. Er führt Stephen Kings erfolgreichstes, 1977 erschienenenes Gruselbuch „Shining“ direkt fort. Der Anfang von „Doctor Sleep“ ist derart gestaltet, dass eine Lektüre von „Shining“ vor der von „Doctor Sleep“ nicht zwingend notwendig ist. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es äußerst sinnvoll ist, das Buch „Shining“ (nicht den Film!) zu kennen, da es die Lesefreude durch unzählige Anspielungen und Referenzen erhöht.

 

Um was geht es in Kings 700 Seiten starkem Roman?

Im Mittelpunkt steht Dan Torrance, bekannt als Danny, Sohn von Jack Torrance, welcher in „Shining“ als Hausmeister mit seiner Familie einen Winter im Overlook Hotel in Colorado verbringt, wo er – von Geistern der Vergangenheit verfolgt – langsam dem Wahnsinn verfällt und versucht Frau und Kind zu töten.

Dan Torrance ist inzwischen erwachsen geworden, kämpft aber noch immer nit den Schrecken, die er in seiner Kindheit erleiden musste. Außerdem ist er – wie sein Vater damals – dem Alkohol verfallen, der ihn immer tiefer nach unten zieht. An seinem Tiefpunkt angekommen, entschließt sich Dan, sein Leben umzukrempeln. Er nimmt eine Stelle in einem Hospiz in New Hampshire an, wo er Sterbenden ihren Weg ins Jenseits erleichtert und fortan „Doctor Sleep“ genannt wird, und er besucht die Treffen der Anonymen Alkoholiker. Noch immer verfügt Dan über paranormale Fähigkeiten, die Stephen King, in Anlehnung an einen John Lennon-Song („Instant Karma“) das SHINING nennt. Das Shining besitzt auch Abra Stone, die wir in Kings Geschichte von ihrer Geburt bis ins frühe Teenageralter begleiten dürfen. Sie hat das Shining in einer ungewöhnlich hohen Konzentration und hat auch telekinetische Fähigkeiten (–> Stephen Kings „Carrie“, 1974). Auf das Mädchen abgesehen hat es eine Sekte, deren Anhänger wie Nomaden, in Wohnwägen auf den Straßen Amerikas unterwegs sind. Wirken sie auf den ersten Blick wie gewöhnliche, vielleicht etwas spießige aber harmlose Touristen, sind sie in Wirklichkeit Wesen, die sich vampirähnlich vom „Steam“ ihrer Opfer nähren. Diese Sekte – sie nennt sich „Der wahre Knoten“ – macht Jagd auf Menschen, insbesondere Kinder, die das Shining haben.

An dieser Stelle nimmt Abra Kontakt zu Dan Torrance auf. Mithilfe von Freunden versuchen sie den „Wahren Knoten“ zur Strecke zu bringen und gemeinsam das Böse zu besiegen…

 

Meine Meinung zu „Doctor Sleep“:

Viele Rezensenten konstatieren, dass dieser Roman auch ohne sein Vorgänger „Shining“ funktionieren würde und Dan Torrance sich leicht gegen einen anderen Protagonisten austauschen ließe. Das ist sicher richtig. Allerdings macht es auch großen Spaß Charakteren, Schauplätzen und Handlungssträngen aus „Shining“ wieder zu begegnen. Das wirkt auf mich nicht – wie oft kritisiert- als Mittel zum Zweck. Ich stimme vielen Kritikern aber zu, dass Stephen King in „Doctor Sleep“ nicht den Schrecken zu verbreiten mag wie  in „Shining“. Das mag aber vielleicht auch nicht vorrangig die Intention des Autors gewesen sein. Vielmehr scheint mir nicht die grausame Handlung, sondern andere Themen im Vordergrund zu stehen. Ich denke, King war  die Aufarbeitung  seiner Alkoholkrankheit wichtig gewesen. Viel Raum nehmen Textpassagen und Kapitel ein, die Dans Kampf gegen die Alkoholsucht und seine Rückkehr in ein Leben beschreiben, das nicht mehr vom Alkohol bestimmt wird. Die Themen Familie und Reflexionen über das Sterben haben außerdem einen hohen Stellenwert in Kings Text.

Sehr beeindruckt hat mich mal wieder Kings Fähigkeit, scheinbar Abstruses und Unmögliches ohne viel Erklärung „real“ erscheinen zu lassen. So können beispielsweise Dan und sein Schützling Abra in den Körper des jeweils anderen schlüpfen oder völlig überalterte Menschen mithilfe des letzten Lebenshauchs paranormal begabter Menschen eine Art Unsterblichkeit erlangen.

„Doctor Sleep“ ist ein großartiger, ein unterhaltsamer und -trotz seines Umfangs- ein kurzweiliger Roman! King baut nicht nur dann Spannung auf, wenn es um die unheimlichen und grausamen Vorgänge rund um die mörderische Sekte geht. Er schafft es auch dann, mich atemlos die Seiten umblättern zu lassen, wenn er in seiner ausschweifenderen Erzählweise Einblicke in den Alltag und das Leben seiner Figuren gibt.

Besonders gefallen haben mir mal wieder Kings Anspielungen auf viele seiner anderen Texte. Auch seinem Sohn Joe Hill und dessen aktuellem Roman „Christmasland“ setzt King ein Denkmal in „Doctor Sleep“. Die erneute kurze Begegnung mit Charlie Manx zu Beginn des Romans fand ich abslout gelungen! Es macht Spaß beim Lesen von Kings Bücher immer wieder bekannte Schauplätze und Figuren aus anderen seiner Werke zu entdecken! Kings Texte sind immer eine Auseinandersetzung mit seinen anderen Texten, was das Lesen seiner Bücher auch aus literaturwissenschaftlicher Sicht äußerst spannend macht!

Eine absolute Leseempfehlung für alle Fans phantastischer Literatur! Wäre ich nicht schon ein treuer Fan Kings, ich würde es jetzt werden!

 

Stephen King

Doctor Sleep

Heyne 2013

gebunden, 704 Seiten

Euro 22,99 (D)

 

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Der Booktrailer:

 

 

 

 

 

 

Rezension: Johannes Groschupf – Der Zorn des Lammes

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“Mein Lämmchen, ich lege meinen Arm um dich und werde dich nimmermehr loslassen. Du sei mein, denn wir sind füreinander bestimmt.” (S. 147)

“Wie eine Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin. Siehe meine Freundin, du bist schön. Deine Augen sind wie Taubenaugen. Deine Zähne sind wie eine Herde Schafe, die aus der Schwemme kommen. Dein Mund ist lieblich. Deine beiden Brüste sind wie junge Gazellen, die unter den Linden weiden.” (S. 135)

Diese Textausschnitte, entnommen aus Johannes Groschupfs aktuellem Jugendbuch “Der Zorn des Lammes”, die zum einen auf die Johannesoffenbarung anspielen bzw. das biblische Hohelied der Liebe zitieren, mögen den Eindruck erwecken, man habe es hier mit einer klassischen Liebesgeschichte zu tun. Das Cover der diesen Monat bei Oetinger erschienenen broschierten Ausgabe spricht hingegen eine andere Sprache. Ein mit roten Augen wütend dreinblickendes Schaf ziert den Umschlag. Ebenso gehalten ist der in roter Kaptalschrift ins Auge springende Titel. Rot als Symbol für Liebe und Leidenschaft, aber auch für Zorn und Aggression .
Bei “Der Zorn des Lammes” handelt es sich um einen Thriller für junge Erwachsene, der Obsessionen und wahnhafte Liebe thematisiert. Krankhaft der Liebe zu der Praktikantin Jazz verfallen ist Milan, der aus einer psychiatrischen Einrichtung geflohen und der jungen Frau zufällig während einer Busfahrt begegnet ist. Fortan heftet er sich an Jazz` Fersen und provoziert immer häufiger Begegnungen…
Jazz – eigentlich Jasmin – ist ebenfalls auf der Flucht. Sie entflieht der Enge im elterlichen Heimatort und beginnt beim Tagesspiegel im Moloch Berlin ein Praktikum. Schwer lastet eine vermeintliche Schuld auf ihr, die sie im Verlauf der Romanhandlung zu verarbeiten versucht. Milan schleicht sich immer mehr in Jazz` Leben, wobei er auch über Leichen geht. Eines Tages gelingt es ihm, Jazz in seinen Unterschlupf zu locken. Doch er hat nicht mit dem Zorn des Lammes gerechnet…

“Vergebet uns vor dem Zorn des Lammes! Denn es ist gekommen der große Tag seines Zorns, und wer kann bestehen?” (S. 128)

Johannes Groschupfs Roman ist kein gewöhnliches Jugendbuch. Das Lesealter lässt sich auf ab 16 Jahre festlegen. Der Text wirkt auch bei erwachsenen Lesern sehr lange nach und lässt zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten zu. Äußerst interessant sind die ständig auftauchenden Referenzen auf die Bibel. Sehr häufig wird hierzu die apokalyptische Offenbarung des Johannes herangezogen. Groschupf erzählt abwechselnd in zwei Perspektiven: Wir empfinden sowohl für die weibliche Protagonistin Jazz als auch für den sehr kranken jungen Mann Milan Empathie. Der Autor liefert während des Erzählens Hinweise darauf, dass Milan an einem schizophrenen Syndrom leiden muss. Beide Figuren symbolieren in ihrer Weise die Unschuld, während die Metropole Berlin oftmals wie ein biblisches Sodom beschrieben wird.
Johannes Groschupf schreibt atemberaubend spannend, sehr bewegend, in seiner Sprache aber sehr prägnant. Er hinterlässt eine aufgewühlte, nachdenklich gestimmte Leserschaft.

Johannes Groschupf
Der Zorn des Lammes
Oetinger 2014
broschiert, 189 Seiten
Euro 12,99 (D)

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Rezension: Samson Kambalu – Jive Talker (aus: Africa Positive 37/2010)

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Ich bin seit vielen Jahren Mitglied im „Anderen Literaturklub„, der zur Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika gehört. Als Clubmitglied bekommt man die viermal jährlich erscheinende Zeitschrift „Literaturnachrichten“ sowie vier Neuerscheinungen, deren Übersetzung von der Gesellschaft zur Förderung von Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika finanziell möglich gemacht worden ist.
So zum Beispiel der wunderbar spritzige Roman „Jive Talker“ von Samson Kambalu:

Samson Kondwani Kambalu, ein in London lebender malawischer Künstler, kam als fünftes Kind einer zehnköpfigen Familie 1975 zur Welt. Er erhielt ein Stipendium und besuchte die renommierte Kamazu Academy in Malawi. In seinem ersten autobiografischen Roman „Jive Talker“ führt Kambalu, dessen afrikanischer Name „Don`t worry be happy“ bedeutet, „ins warme, traurige, witzige, chaotische, schrullige und weise Innere Afrikas“ (The Sunday Telegraph). Dabei ist sein Name Programm. Der Jive Talker, wobei Jive leeres, großspuriges Gequassel meint, ist Samsons Vater, ein Hilfsarzt, der seine Bibliothek wie seinen Augapfel hütet. Sein Traum, ein richtiger Doktor und Multimillionär zu werden, bleibt auch nach zahlreichen Ortswechseln im von Hastings Kamuzu Banda diktatorisch regierten Malawi ein Traum. Aber er gibt seinen Kindern die Liebe zum Lesen und Philosophieren und einen nie versiegenden Optimismus mit. So liest auch Samson, der Michael Jacksons Moonwalk liebt, auf dem Klo mit Vorliebe Nietzsche, verkündet mit zwölf Jahren, Gott sei tot und erfindet eine neue Religion: Aus der Holy Bible, der heiligen Schrift, erschafft der junge Samson den Holy Ball, einen mit den Seiten der Bibel tapezierten Fußball zum Exerzieren und Exorzieren und tauft seine neue Religion, die eine alte, nämlich die Sonnenanbetung, wieder zum Leben erweckt, Holyballismus. Als Absolvent der berühmten Kamuzu Academy, dem Eton Malawis, schafft Samson schließlich den Sprung nach Europa, wo sein Holy Ball das berühmteste Kunstwerk des Konzeptkünstlers wird. 
Mit den gängigen negativen Vorstellungen von Afrika hat dieser rasante, äußerst humorvolle und intelligente Debütroman nur wenig gemein. 
Es gibt den Roman, den man unbedingt gelesen haben muss,  auch als Taschenbuchausgabe beim Unionsverlag. Noch, denn das „Problem“ bei Büchern afrikanischer AutorInnen ist, dass sie schnell vergriffen sind und keine Neuauflagen geplant werden.

So auch bei folgenden Buchtipps:
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Chimamanda Ngozi Adichie ist eine junge nigerianische Autorin, die bereits mit Preisen überhäuft wurde. Auf jeden Fall verdient!! Auf Deutsch ist von ihr bereits das Jugendbuch „Blauer Hibiskus“ als Taschenbuch und Hörbuch erschienen. Dieser Debütroman beschäftigt sich mit dem Thema häusliche Gewalt. Auch ein Band mit Kurzgeschichten wurde ins Deutsche übersetzt.
Ich möchte ganz kurz ihren zweiten Roman vorstellen, der in Nigeria auch gerade verfilmt wurde: Die Hälfte der Sonne. Wer sich mit afrikanischer Geschichte gut auskennt,  dem verrät der Titel sofort das Thema des genialen Romans. Die Hälfte der Sonne war auf der Flagge des westafrikanischen Staates Biafra zu sehen, um dessen hoffnungsvolle Gründung aber auch Zerstörung es in Adichies Roman geht. Vor dem Hintergrund des dreijährigen Bürgerkriegs erzählt Adichie aus dem Alltag verschiedener Menschen. Zum Beispiel von Ugwu, dem Houseboy eines linksintellektuellen Unidozenten, seiner Geliebten Olanna und deren ungleichen Zwillingsschwester Kainene, und von Richard, einem englischen Schriftsteller, der in Nigeria nach Inspiration sucht.
Die Süddeutsche Zeitung schrieb über Adichie: „Nigerias neuer Stern am Literaturhimmel!“ Ich denke, das trifft es ganz gut. Auch mit wenig Hintgergrundwissen zur Geschichte Afrikas, ist Adichies Roman -trotz des ernsten Themas- ein großes Lesevergnügen. Ein Stück Weltliteratur, das in keinem Bücherregal fehlen darf!
Leider ist der 2008 als Taschenbuch erschienene Roman vergriffen. Er ist nur noch antiquarisch erhältlich. Es gibt auch eine Hardcoverausgabe bei Luchterhand. Ber auch auf Englisch ist Adichie sehr gut zu lesen!

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Link

Allie Sheridan gerät ins Wanken, nachdem ihr Bruder spurlos verschwunden ist. Sie bekommt Ärger mit der Polizei und fliegt von der Schule. Daraufhin schicken ihre Eltern Allie auf die mysteriöse Cimmeria Akademie, ein Internat fernab von Allies Londoner Freunden.

Eigentlich gefällt es Allie auf Anhieb auf dieser Schule; jedoch stößt sie schon sehr bald auf Merkwürdigkeiten und Geheimnisse. Was hat es mit den Eliteschülern auf sich, die sich in der so genannten Night School versammeln? Kann sie Sylvain vertrauen, dessen Interesse sie geweckt hat und dessen französischem Charme sie nur schwer widerstehen kann? Und was hat es mit Carter auf sich, der sie immer wieder vor Sylvain warnt? Und dann wird einem Mädchen auf dem Sommerball die Kehle aufgeschlitzt. Die Schulleitung informiert die Polizei nicht, und beharrt vehement darauf, es habe sich um einen Selbstmord gehandelt. Wer treibt im Schulgarten sein Unwesen?

Die Schule birgt ein schreckliches Geheimnis – das wird dem Leser sehr schnell klar. Gut gefallen hat mir, dass es sich mal nicht um eine Geschichte aus dem paranormalen Genre handelt. Es ist also weder ein Vampir noch Werwolf, der im Schulpark sein Unwesen treibt. Auch die Liebesgeschichte in Night School, die Charaktere Carter und Sylvain, gefallen mir sehr gut. Meine persönliche Sympathie liegt allerdings mehr bei Carter.

Bei Night School handelt es sich um einen spannenden Thriller für Jugendliche ab etwa dreizehn Jahren. Wer gerne Serien liest, darf bei diesem Buch auf reichlich Nachschub hoffen: Night School wird in fünf Bänden erscheinen. Der Roman erinnert etwas an die “Tal”-Reihe von Krystyna Kuhn. Fans von Internatsgeschichten werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen!

 

C. J. Daugherty

Night School #1. Du darfst keinem trauen

gebunden, 461 Seiten

Oetinger Verlag 2012

Euro 17,95 (D)

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