Rezension: Idrissa Keita – Djemas Traum vom großen Auftritt

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keitaIdrissa Keitas Kinderbuch „Djemas Traum vom großen Auftritt“ ist in vielerlei Hinsicht ein Glücksgriff: Es gehört zu jener Literatur, die authentisch, jenseits von Schwarzmalerei und Beschönigung, die Kindheit und Adoleszenz in Afrika thematisiert. In seinem autobiographischen Roman beschreibt Keita auf humorvolle und lebendige Weise die Erinnerungen an seine Kindheit mit acht Geschwistern in der westafrikanischen Heimat Mali. Djema, der neunjährige Protagonist, erfährt eines Tages, dass seine Familie von ihrem kleinen Heimatort Bougouni nach Bamako umziehen muss, da der Vater aufgrund der politischen Situation seine Stelle verloren hat. Das Leben in Bamako ist ganz anders und zum ersten Mal erfahren Djema und seine Geschwister, was Hunger ist. Doch Djema lässt sich nicht entmutigen. Mit seinen neuen Freunden unternimmt er Streifzüge durch die Großstadt, klaut Mangos, spielt Fußball, trifft sein Idol, den Ringer Sassilon Male, und lässt sich von Straßenmusikern inspirieren. In den Sommerferien bietet sich ihm die Gelegenheit, das Dorfleben genauer kennen zu lernen. Bei seinem Onkel in Tabe erwarten ihn einige Proben. Ob er diese bestehen wird und ob sein Traum, berühmt zu werden – als Musiker, Dichter, Ringer oder Fußballer – erfährt man am Ende des Romans. Diese Autobiographie bietet nicht nur viele Berührungspunkte mit der Lebenswirklichkeit von europäischen Kindern (z.B. Arbeitslosigkeit der Eltern, Trennung von geliebten Menschen und Tieren, Freundschaft, Zukunftsträume und Berufswünsche), sondern in ihr werden auch die vorhandenen Unterschiede dargestellt: der Kontrast zwischen Tradition und Moderne, Armut und Reichtum, dem Leben in der Stadt und auf dem Land.
Idrissa Keitas Anliegen ist der lebendige Austausch zwischen den Kulturen. Der Dialog zwischen Europa und Afrika motivier ihn zu seiner Literatur und seiner Arbeit als Kulturbotschafter der Deutschen Welthungerhilfe. Keita möchte ein realistisches Bild von Afrika jenseits von Hungerkatastrophen, Diktatur und Krankheit vermitteln, das in unseren europäischen Köpfen so stark verhaftet zu sein scheint. Er schreibt über die afrikanische Mittelschicht, die weder bettelarm noch reich ist: „Ich war kein reiches Kind, ich war kein bitterarmes Kind. Kindheit in Afrika wird […]oft extrem einseitig dargestellt. Entweder sind die Kinder sehr arm, mit Hungerbäuchen, oder sehr reich. Aber es gibt noch ein sehr breites Spektrum, dazu gehört auch meine Familie. Ich möchte nichts beschönigen, nicht schwarz malen, sondern eine […] Normalität darstellen. Das Buch wendet sich auch gegen die schlechten Nachrichten […] über Afrika. Das Positive – die Gelassenheit, die afrikanische Weisheit, der Glaube und die Bedeutung der Natur – ist kaum bekannt.“[1]
„Djemas Traum vom großen Auftritt“ ist 2001 in französischer und deutscher Sprache erschienen und ist von dem Autor auf zahlreichen Lesereisen im Rahmen der Aktion „Weltgeschichten – Der Weltfrieden ruht in den Händen der Kinder“ in Deutschland und dessen Nachbarländern vorgestellt worden.
Geeignet für Kinder ab 10. Dieses Buch ist leider nur antiquarisch erhältlich. Weitere sehr gute Kinderbuchtipps aus der Einen Welt findet man bei Baobabbooks.ch.
[1] Idrissa Keita In: Welternährung 1 / 2000 (Hg.: Deutsche Welthungerhilfe); zit. n. www.lpb.bwue.de/aktuell/puu/1_03/a8-a10.htm

Idrissa Keita

Djemas Traum vom großen Auftritt

gebunden, 190 Seiten

Atlantis Verlag pro juventute 2001

nur antiquarisch erhältlich

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