Rezension: Jack Ketchum – Versteckt

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Bild Der 1946 geborene amerikanische Schriftsteller Jack Ketchum – eigentlich Dallas Mayr –  zählt laut Stephen King zu den furchterregendsten Männern Amerikas. Auch von dem „Psycho“-Autor Robert Bloch wird er für seine Horrorliteratur hoch gelobt. Der ehemalige Schauspieler, Lehrer, Holzverkäufer und Literaturagent Jack Ketchum veröffentlicht, seit 1981 unter seinem Pseudonym, das auf den im 17. Jahrhundert lebenden Henker Jack Ketch zurückzuführen ist, Thriller beziehungsweise Horrorromane, die auch durch ihre Verfilmungen bekannt  geworden sind (Evil, The Lost, The Woman). „Versteckt“ wurde unter dem englischen Originaltitel „Hide and Seek“ zum ersten Mal 1984 veröffentlicht und erscheint nun bei Heyne im Hardcore-Programm in einer Taschenbuchausgabe.

„Versteckt“ besteht aus zwei Teilen. Im ersten erzählt Dan Thomas, Anfang 20, von einem ganz besonderen Sommer in den 80ern. Aufgewachsen im verschlafenen Küstenort Dead River in Maine, führt Dan ein unspektakuläres Leben. Er arbeitet in einem Holzwerk  und sehnt sich in seinem Alltagstrott nach Abwechslung und Abenteuern. Diese erlebt er in besagtem Sommer mit drei jungen Collegestudenten, die die Ferien mit ihren reichen Eltern in Maine verbringen. Casey, Kim und Stephen mischen das Touristenörtchen mächtig auf, immer auf der Suche nach dem nächsten Adrenalinkick. Schon bei der ersten Begegnung funkt es gewaltig zwischen Dan und der risikofreudigen Casey. Was mit kleinen Diebstählen im Supermarkt und Nacktbaden beginnt, steigert sich zu einer Liebesnacht auf dem Friedhof und findet seinen Höhepunkt und ein tödliches Ende im zweiten Teil des Romans, in dem sich die Clique zu einemVersteckspiel in einem vermeintlichen Spukhaus verabredet. Dieses Haus auf den Klippen, das ehemalige Anwesen des ominösen Geschwisterpaars Crouch, findet schon im ersten Teil häufiger Erwähnung. Zahlreiche Legenden ranken sich um die ehemaligen Bewohner, die eines Tages plötzlichen verschwanden und denen Kannibalismus nachgesagt wird.

Lesen sich die ersten zwei Drittel noch wie eine verrückte Teenagergeschichte – eine Geschichte über Rebellion und freie Liebe – wendet sich das Blatt wie erwartet am Ende der Lektüre. Das Versteckspiel im Dunkeln, bei dem die Jugendlichen auch das unterirdische Höhlensystem des Hauses entdecken, endet in Ketchum`scher Manier blutig. Das wirkt aber in keiner Weise platt. Es geht hier weniger um die Beschreibung eines Gemetzels, sondern vielmehr steht das Versteckspiel für die Geheimnisse und Schuldgefühle, die Casey zu verdrängen versucht. Der Roman ist also keine banale Horrorgeschichte, sondern eröffnet auch Raum für Interpretationen. Für viele Liebhaber des Genres ist dieser „neue“ Ketchum mit Sicherheit zu „leichte Kost“. Aber allein, im Dunkeln gelesen, vermag er dem Leser am Ende doch eine Gänsehaut zu verursachen.

 

Jack Ketchum

Versteckt

Taschenbuch, 256 Seiten

Heyne Verlag 2013

Euro 8,99 (D)

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