Rezension: Patrice Nganang – Der Schatten des Sultans

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BildDer kamerunische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Patrice Nganang wurde 1970 in Yaounde geboren. In Deutschland promovierte er in Frankfurt über den nigerianischen Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka. Heute lebt Nganang in den USA, wo er als Professor für Litertaur und moderne europäische Sprachen an einer Universität beschäftigt ist.

Der wohl bekannteste Roman des in französischer Sprache schreibenden Autors ist “Hundezeiten”. Für diesen äußerst originellen Roman aus Sicht eines Hundes geschrieben, wurde Nganang für zahlreiche Preise nominiert.

Nun liegt sein aktueller Roman Der Schatten des Sultans (Originaltitel Mont Plaisant) im Peter Hammer Verlag auf Deutsch vor. Darin geht es um die junge Kamerunerin Bertha, die nach ihrem Geschichtsstudium in den USA in ihre afrikanische Heimat zurückkehrt. Dort trifft sie durch Recherchen im Stadtteil Mont Plaisant in Yaounde auf die achtzigjährige Sara, die 1931 als Kind gezwungen wurde, ihre Eltern zu verlassen, um fortan als eine von 300 Ehefrauen an der Seite von Sultan Njoya zu leben. Zwischen den Frauen entspannt sich ein Dialog, der auch deshalb besonders faszinierend ist, weil Sara bis dahin für stumm gehalten wurde. Bertha kann ihr Schweigen brechen und erfährt so die Geschichte dieser Frau, aber auch unzählige andere Lebensgeschichten, die sich rund um den Hof des Sultans ereigneten.

Besonders gelungen finde ich Nganangs Verknüpfung von historischen Fakten und fiktiven Geschichten. Der Einstieg in die Lektüre wird dem Leser allerdings durch viele Namen und Zeitsprünge recht schwer gemacht. So tauchte in Saras Leben bereits eine andere Bertha auf, die sie auf das Leben in einer polygamen Ehe mit dem Sultan vorbereiten sollte und Sara mit Geschichten in das Leben ihres verlorenen Sohnes Nebu eintauchen ließ. Es bedarf anfangs hoher Konzentration, um in den Roman hinein zu finden. Was sich aber auf jeden Fall lohnt, beschenkt uns der Autor doch mit so vielen faszinierenden Charakteren und Biographien.

Dieses Buch mag vor allem jenen ans Herz gelegt werden, die bis jetzt fälschlicherweise von der Geschichtslosigkeit des afrikanischen Kontinents überzeugt waren. Aber natürlich auch allen geschichtsinteressierten Leserinnen und Lesern, die in Nganangs fast 500 Seiten starkem historischen Roman auf ansprechende und unterhaltsame Weise sehr viel über den ehemaligen Herrscher des Königreichs Bamum und auch die Zeit der Kolonialisierung Kameruns erfahren können. Es seien alle eingeladen, dieses Buch zu lesen, die gerne in fremde Welten eintauchen und sich von einem umfangreichen Romanpersonal nicht abschrecken lassen.

 

Patrice Nganang

Der Schatten des Sultans

Peter Hammer Verlag

gebunden, 540 Seiten

Euro 26,- (D)

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