Rezension: Samson Kambalu – Jive Talker (aus: Africa Positive 37/2010)

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Ich bin seit vielen Jahren Mitglied im „Anderen Literaturklub„, der zur Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika gehört. Als Clubmitglied bekommt man die viermal jährlich erscheinende Zeitschrift „Literaturnachrichten“ sowie vier Neuerscheinungen, deren Übersetzung von der Gesellschaft zur Förderung von Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika finanziell möglich gemacht worden ist.
So zum Beispiel der wunderbar spritzige Roman „Jive Talker“ von Samson Kambalu:

Samson Kondwani Kambalu, ein in London lebender malawischer Künstler, kam als fünftes Kind einer zehnköpfigen Familie 1975 zur Welt. Er erhielt ein Stipendium und besuchte die renommierte Kamazu Academy in Malawi. In seinem ersten autobiografischen Roman „Jive Talker“ führt Kambalu, dessen afrikanischer Name „Don`t worry be happy“ bedeutet, „ins warme, traurige, witzige, chaotische, schrullige und weise Innere Afrikas“ (The Sunday Telegraph). Dabei ist sein Name Programm. Der Jive Talker, wobei Jive leeres, großspuriges Gequassel meint, ist Samsons Vater, ein Hilfsarzt, der seine Bibliothek wie seinen Augapfel hütet. Sein Traum, ein richtiger Doktor und Multimillionär zu werden, bleibt auch nach zahlreichen Ortswechseln im von Hastings Kamuzu Banda diktatorisch regierten Malawi ein Traum. Aber er gibt seinen Kindern die Liebe zum Lesen und Philosophieren und einen nie versiegenden Optimismus mit. So liest auch Samson, der Michael Jacksons Moonwalk liebt, auf dem Klo mit Vorliebe Nietzsche, verkündet mit zwölf Jahren, Gott sei tot und erfindet eine neue Religion: Aus der Holy Bible, der heiligen Schrift, erschafft der junge Samson den Holy Ball, einen mit den Seiten der Bibel tapezierten Fußball zum Exerzieren und Exorzieren und tauft seine neue Religion, die eine alte, nämlich die Sonnenanbetung, wieder zum Leben erweckt, Holyballismus. Als Absolvent der berühmten Kamuzu Academy, dem Eton Malawis, schafft Samson schließlich den Sprung nach Europa, wo sein Holy Ball das berühmteste Kunstwerk des Konzeptkünstlers wird. 
Mit den gängigen negativen Vorstellungen von Afrika hat dieser rasante, äußerst humorvolle und intelligente Debütroman nur wenig gemein. 
Es gibt den Roman, den man unbedingt gelesen haben muss,  auch als Taschenbuchausgabe beim Unionsverlag. Noch, denn das „Problem“ bei Büchern afrikanischer AutorInnen ist, dass sie schnell vergriffen sind und keine Neuauflagen geplant werden.

So auch bei folgenden Buchtipps:
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Chimamanda Ngozi Adichie ist eine junge nigerianische Autorin, die bereits mit Preisen überhäuft wurde. Auf jeden Fall verdient!! Auf Deutsch ist von ihr bereits das Jugendbuch „Blauer Hibiskus“ als Taschenbuch und Hörbuch erschienen. Dieser Debütroman beschäftigt sich mit dem Thema häusliche Gewalt. Auch ein Band mit Kurzgeschichten wurde ins Deutsche übersetzt.
Ich möchte ganz kurz ihren zweiten Roman vorstellen, der in Nigeria auch gerade verfilmt wurde: Die Hälfte der Sonne. Wer sich mit afrikanischer Geschichte gut auskennt,  dem verrät der Titel sofort das Thema des genialen Romans. Die Hälfte der Sonne war auf der Flagge des westafrikanischen Staates Biafra zu sehen, um dessen hoffnungsvolle Gründung aber auch Zerstörung es in Adichies Roman geht. Vor dem Hintergrund des dreijährigen Bürgerkriegs erzählt Adichie aus dem Alltag verschiedener Menschen. Zum Beispiel von Ugwu, dem Houseboy eines linksintellektuellen Unidozenten, seiner Geliebten Olanna und deren ungleichen Zwillingsschwester Kainene, und von Richard, einem englischen Schriftsteller, der in Nigeria nach Inspiration sucht.
Die Süddeutsche Zeitung schrieb über Adichie: „Nigerias neuer Stern am Literaturhimmel!“ Ich denke, das trifft es ganz gut. Auch mit wenig Hintgergrundwissen zur Geschichte Afrikas, ist Adichies Roman -trotz des ernsten Themas- ein großes Lesevergnügen. Ein Stück Weltliteratur, das in keinem Bücherregal fehlen darf!
Leider ist der 2008 als Taschenbuch erschienene Roman vergriffen. Er ist nur noch antiquarisch erhältlich. Es gibt auch eine Hardcoverausgabe bei Luchterhand. Ber auch auf Englisch ist Adichie sehr gut zu lesen!

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