Rezension: Stephen King – Doctor Sleep

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„Doctor Sleep“ ist der aktuelle Roman Stephen Kings, der im Herbst 2013 bei Heyne im Hardcover erschienen ist. Ebenfalls erhältlich ist eine sehr gut von David Nathan gesprochene ungekürzte Lesung auf CD.

„Doctor Sleep“ ist ein Fortsetzungsroman. Er führt Stephen Kings erfolgreichstes, 1977 erschienenenes Gruselbuch „Shining“ direkt fort. Der Anfang von „Doctor Sleep“ ist derart gestaltet, dass eine Lektüre von „Shining“ vor der von „Doctor Sleep“ nicht zwingend notwendig ist. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es äußerst sinnvoll ist, das Buch „Shining“ (nicht den Film!) zu kennen, da es die Lesefreude durch unzählige Anspielungen und Referenzen erhöht.

 

Um was geht es in Kings 700 Seiten starkem Roman?

Im Mittelpunkt steht Dan Torrance, bekannt als Danny, Sohn von Jack Torrance, welcher in „Shining“ als Hausmeister mit seiner Familie einen Winter im Overlook Hotel in Colorado verbringt, wo er – von Geistern der Vergangenheit verfolgt – langsam dem Wahnsinn verfällt und versucht Frau und Kind zu töten.

Dan Torrance ist inzwischen erwachsen geworden, kämpft aber noch immer nit den Schrecken, die er in seiner Kindheit erleiden musste. Außerdem ist er – wie sein Vater damals – dem Alkohol verfallen, der ihn immer tiefer nach unten zieht. An seinem Tiefpunkt angekommen, entschließt sich Dan, sein Leben umzukrempeln. Er nimmt eine Stelle in einem Hospiz in New Hampshire an, wo er Sterbenden ihren Weg ins Jenseits erleichtert und fortan „Doctor Sleep“ genannt wird, und er besucht die Treffen der Anonymen Alkoholiker. Noch immer verfügt Dan über paranormale Fähigkeiten, die Stephen King, in Anlehnung an einen John Lennon-Song („Instant Karma“) das SHINING nennt. Das Shining besitzt auch Abra Stone, die wir in Kings Geschichte von ihrer Geburt bis ins frühe Teenageralter begleiten dürfen. Sie hat das Shining in einer ungewöhnlich hohen Konzentration und hat auch telekinetische Fähigkeiten (–> Stephen Kings „Carrie“, 1974). Auf das Mädchen abgesehen hat es eine Sekte, deren Anhänger wie Nomaden, in Wohnwägen auf den Straßen Amerikas unterwegs sind. Wirken sie auf den ersten Blick wie gewöhnliche, vielleicht etwas spießige aber harmlose Touristen, sind sie in Wirklichkeit Wesen, die sich vampirähnlich vom „Steam“ ihrer Opfer nähren. Diese Sekte – sie nennt sich „Der wahre Knoten“ – macht Jagd auf Menschen, insbesondere Kinder, die das Shining haben.

An dieser Stelle nimmt Abra Kontakt zu Dan Torrance auf. Mithilfe von Freunden versuchen sie den „Wahren Knoten“ zur Strecke zu bringen und gemeinsam das Böse zu besiegen…

 

Meine Meinung zu „Doctor Sleep“:

Viele Rezensenten konstatieren, dass dieser Roman auch ohne sein Vorgänger „Shining“ funktionieren würde und Dan Torrance sich leicht gegen einen anderen Protagonisten austauschen ließe. Das ist sicher richtig. Allerdings macht es auch großen Spaß Charakteren, Schauplätzen und Handlungssträngen aus „Shining“ wieder zu begegnen. Das wirkt auf mich nicht – wie oft kritisiert- als Mittel zum Zweck. Ich stimme vielen Kritikern aber zu, dass Stephen King in „Doctor Sleep“ nicht den Schrecken zu verbreiten mag wie  in „Shining“. Das mag aber vielleicht auch nicht vorrangig die Intention des Autors gewesen sein. Vielmehr scheint mir nicht die grausame Handlung, sondern andere Themen im Vordergrund zu stehen. Ich denke, King war  die Aufarbeitung  seiner Alkoholkrankheit wichtig gewesen. Viel Raum nehmen Textpassagen und Kapitel ein, die Dans Kampf gegen die Alkoholsucht und seine Rückkehr in ein Leben beschreiben, das nicht mehr vom Alkohol bestimmt wird. Die Themen Familie und Reflexionen über das Sterben haben außerdem einen hohen Stellenwert in Kings Text.

Sehr beeindruckt hat mich mal wieder Kings Fähigkeit, scheinbar Abstruses und Unmögliches ohne viel Erklärung „real“ erscheinen zu lassen. So können beispielsweise Dan und sein Schützling Abra in den Körper des jeweils anderen schlüpfen oder völlig überalterte Menschen mithilfe des letzten Lebenshauchs paranormal begabter Menschen eine Art Unsterblichkeit erlangen.

„Doctor Sleep“ ist ein großartiger, ein unterhaltsamer und -trotz seines Umfangs- ein kurzweiliger Roman! King baut nicht nur dann Spannung auf, wenn es um die unheimlichen und grausamen Vorgänge rund um die mörderische Sekte geht. Er schafft es auch dann, mich atemlos die Seiten umblättern zu lassen, wenn er in seiner ausschweifenderen Erzählweise Einblicke in den Alltag und das Leben seiner Figuren gibt.

Besonders gefallen haben mir mal wieder Kings Anspielungen auf viele seiner anderen Texte. Auch seinem Sohn Joe Hill und dessen aktuellem Roman „Christmasland“ setzt King ein Denkmal in „Doctor Sleep“. Die erneute kurze Begegnung mit Charlie Manx zu Beginn des Romans fand ich abslout gelungen! Es macht Spaß beim Lesen von Kings Bücher immer wieder bekannte Schauplätze und Figuren aus anderen seiner Werke zu entdecken! Kings Texte sind immer eine Auseinandersetzung mit seinen anderen Texten, was das Lesen seiner Bücher auch aus literaturwissenschaftlicher Sicht äußerst spannend macht!

Eine absolute Leseempfehlung für alle Fans phantastischer Literatur! Wäre ich nicht schon ein treuer Fan Kings, ich würde es jetzt werden!

 

Stephen King

Doctor Sleep

Heyne 2013

gebunden, 704 Seiten

Euro 22,99 (D)

 

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Der Booktrailer:

 

 

 

 

 

 

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