Rezension: Rick Yancey – Die 5. Welle

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Falls uns jemals Außerirdische besuchen,
wird das meiner Meinung nach ähnliche Folgen haben
wie die Landung von Christopher Columbus in Amerika,
was für die Ureinwohner nicht besonders gut ausging.

Dieses Zitat des britischen Astrophysikers Stephen Hawking ist Rick Yanceys neuem All-Age-Roman “Die 5. Welle” vorangestellt, der diesen Monat im Hardcover bei Goldmann erschienen ist. Es bereitet den Leser gleich zu Beginn auf das von Rick Yancey entworfene Endzeitszenario vor: In mehreren Wellen strebt eine außerirdische Lebensform die Ausrottung der Menschheit an.
Die erste Welle: Licht aus
Die zweite Welle: Hohe Brandung
Die dritte Welle: Seuche
Die vierte Welle: Silencer
Nur wenige Menschen haben die Zerstörung der Küstenregionen und einen letalen Virus überlebt. Unter ihnen die 16-jährige Cassie Sullivan, die sich nach dem Tod ihrer Eltern allein auf die Suche nach ihrem kleinen Bruder macht, der vom Militär in ein vermeintlich sicheres Flüchtlingscamp gebracht worden ist. Cassie ist auf sich gestellt, einzig Sammys Teddybär und ein M16-Gewehr im Gepäck. Sie ist allein. Sie weiß nicht, wie viele Überlebende es gibt, und ob sie diesen trauen kann.
Allein versucht sie sich durchzuschlagen, beobachtet von Drohnen, das Muterschiff der “Anderen” immer über ihr schwebend.
Dann trifft sie auf den geheimnisvollen Evan Walker, der durch die Invasion der “Anderen” ebenfalls seine Familie verloren hat. Er lebt allein auf der elterlichen Farm, wo er Cassie, deren Leben er gerettet hat, gesund pflegt. Doch Cassie mag ihm nicht völlig zu vertrauen. Denn niemand scheint das zu sein, was er vorgibt.
Das weiß auch “Zombie” nur zu gut, der in einer Kinderarmee im aussichtslosen Kampf gegen die Aliens trainiert wird. Doch was hat es mit der “Eintütung” und “Etikettierung” all der Kinder und Jugendlichen auf sich, die in Schulbussen im Lager eintreffen?
Im Laufe der Handlung kommen Cassie und “Zombie” hinter das furchtbare Geheimnis der “Fünften Welle”.
Eine Ahnung, wie die Aliens vorgehen, um die Erde für ihre eigenen Interessen zu “säubern”, bekommt der Leser schon im Prolog, welchen ich unglaublich gut fand, und der mich sofort in die Geschichte hineingezogen hat. Das Buch lässt sich danach kaum noch aus der Hand legen. Rick Yancey hat einen Pageturner geschrieben, der prädestiniert ist für die Kinoleinwand . Tobey Maguire hat sich bereits die Filmrechte gesichert.
Die unglaublich gut gemachten hollywoodreifen Booktrailer, die sicherlich auch mit dazu beigetragen haben, dass “Die 5. Welle” zu den mit viel Spannung erwarteten Neuerscheinungen des Bücherfrühjahrs gehört, haben meiner Meinung nach nicht zuviel versprochen. Rick Yanceys Auftakt seiner Trilogie überzeugte mich inhaltlich und sprachlich. Über die Invasion der Außerirdischen und die Folgen für die Menschen erfährt der Leser in Rückblenden. Die folgenden Ereignisse werden aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Das bringt Abwechslung und Seite um Seite erschließen sich die Zusammenhänge. “Die 5. Welle” ist ein düsteres Buch. Es ist spannungsgeladen mit viel Action und Nervenkitzel, aber auch ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Was macht unsere Menschlichkeit aus? Wie unterschiedlich gehen Menschen mit scheinbar auswegslosen Situationen um?
Als sehr beklemmend empfand ich die Vorgänge im Camp Haven, die deutlich machen, wie Yancey in seinem mitreißenden apokalyptoschen Sci-Fi-Roman auch ohne monsterähnliche Kreaturen auskommt, um dem Leser eine Gänsehaut zu verschaffen. Schrecken produziert er vielmehr durch seine atmosphärischen Schilderungen des Überlebenskampfes seiner jungen Protagonisten. Letztere wirken sehr glaubhaft. Besonders Cassie ist eine sympathische Protagonistin, die Identifikationsmöglichkeiten bietet.
Rick Yancey hat in seinem Buch Bilder geschaffen, die noch länger haften bleiben werden. Man darf gespannt sein, ob sich die Schlagzeile in der USA Today bewahrheiten wird, die den Aliens dank der “5. Welle” einen vergleichbaren Hype verspricht, wie den Vampiren durch “Twilight” (USA TODAY 6.5.13: Twilight time for aliens in Rick Yancey`s Fifth Wave”). Auf den zweiten Band wird man auf jeden Fall nicht sehr lange warten müssen. Die Fortsetzung erscheint im September unter dem Titel “The Infinite Sea” auf Englisch.

 

Rick Yancey

Die 5. Welle (The Fifth Wave)

gebunden, 480 Seiten

Goldmann 2014

Euro 16,99 (D)

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