Rezension: Cheryl Strayed – Der große Trip

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“Ich habe mir meine besten Gedanken ergangen und kenne keinen Kummer, den man nicht weggehen kann.” (Søren Kierkegaard 1813 – 1855)

“Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.”

(Johann Wolfgang von Goethe)

trip

Cheryl Strayed

Der große Trip

OT: Wild

Goldmann TB 2014

445 S.

Euro 9,99 (D)

 

Inhaltsbeschreibung:

Die Frau mit dem Loch im Herzen, das war ich. Gerade 26 geworden, hat Cheryl Strayed das Gefühl, alles verloren zu haben. Und so trifft sie die folgenreichste Entscheidung ihres Lebens: die mehr als tausend Meilen des Pacific Crest Trail zu wandern, durch die Wüsten Kaliforniens, über die eisigen Höhen der Sierra Nevada, durch die Wälder Oregons bis zur Brücke der Götter im Bundesstaat Washington allein, ohne Erfahrungen und mit einem Rucksack auf dem Rücken, den sie Monster nennt. Diese Reise führt Cheryl Strayed bis an ihre Grenzen und darüber hinaus …

 

Auf das Buch „Der große Trip“ bzw. „Wild“ aufmerksam geworden bin ich schon beim Erscheinen der amerikanischen Originalausgabe vor drei Jahren, ziert doch das Cover ein ziemlich strapazierter Wanderschuh. Da ich das Wandern für die schönste Art der sportlichen Betätigung halte, der einzigen, der ich nachgehe, da ich sonst zu diesem Thema eher Churchill zitiere („No sports!“). Besonders die Fernwanderwege interessieren mich sehr. Und um einen solchen geht es in Chery Strayeds autobiografischen Buch mit dem Untertitel „Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst“. Cheryl Strayed beschreibt darin den von ihr 1995 zurückgelegten Marsch auf dem Pacific Crest Trail. Sie beginnt ihre Wanderung  in der Mojave-Wüste und beendet sie drei Monate später in Portland / Oregon an der Brücke der Götter. Cheryl unternimmt diesen Gewaltmarsch recht spontan. Durch Zufall stößt sie in einer sehr schwierigen Lebensphase auf einen Wanderführer, in dem der knapp 4000 Kilomerter lange Pacific Crest Trail beschrieben wird. Cheryl hat soeben ihre junge Mutter verloren, die innerhalb von wenigen Wochen einem Krebsleiden erlegen ist. Die Tochter weiß nicht, wie sie ohne ihre Mutter weiterleben soll. Die Ehe der 26-jährigen Amerikanerin zerbricht nach zahlreichen Affären, sie experimentiert mit harten Drogen. An diesem Tiefpunkt ihres Lebens beschließt sie nun, ohne Vorerfahrungen und mit ziemlich naiven Vorstellungen,  den schwierigen Weg durch die amerikanische Wildnis zu gehen. Das gestaltet sich zunächst sehr schwierig, da das „Monster“, ihr völlig überladener Rucksack, so schwer ist, dass sie ihn anfangs noch nicht einmal anheben kann. Nachdem der Anfang des Buches sehr traurig ist, muss man hier beim Lesen sehr Schmunzeln. Die folgenden sehr spannenden und aufregenden Schilderungen von Cheryls Zeit auf dem Trail werden immer wieder unterbrochen von Rückblenden, in welchen der Leser Einblicke in Cheryls Vergangenheit bekommt.  Cheryls Motivation, diesen beschwerlichen Weg auf sich zu nehmen, wird in diesen Rückblenden sehr deutlich. Sie verspricht sich Heilung. Umgeben von Stille in der Natur möchte sie ihren emotionalen Schmerz verarbeiten, indem sie teilweise physischen Schmerz und Ängste aushalten muss. Auch zu ihrem Körper, der ihr enorme Dienste erweist,  bekommt die Autorin eine andere Einstellung. Wochenlang muss sie auf jegliche Körperhygiene verzichten, wird bei Stopps in größeren Städten sogar für eine Obdachlose gehalten. Die junge Frau verliert mehrere Zehennägel, ihre Gelenke schmerzen. Immer wieder hielt ich beim Lesen inne und bewunderte Cheryl für ihre Kraft und ihren Ehrgeiz. An keiner Stelle denkt sie ernsthaft ans Aufgaben. Unbeirrt setzt sie ihren teilweise gefährlichen Weg fort, um das von ihr gesteckte Ziel zu erreichen. Wobei vielmehr der Weg selbst das Ziel ist. Wie groß die Kluft ist zwischen dem, was wir wollen und dem, was wir brauchen, erfährt man während der Lektüre immer wieder. Der Marsch ist sehr entbehrungsreich, der Genuss von Dingen, die im Alltag sonst immer präsent sind, ein Burger oder eine süße Limo, wird für Cheryl zu einer ganz neuen Erfahrung.

„Der große Trip“ ist ein unglaublich bewegendes, aber auch spannendes und nachdenklich stimmendes Buch, das den Leser möglicherweise selbst zu einem ähnlichen Abenteuer inspiriern kann.

Ein Buch, das gelesen werden muss!!!

Ende des Jahres wird eine Verfilmung mit Rene Witherspoon ins Kino kommen.

 

 

 

 

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